Lust und Leidenschaft, Schmerz und Enttäuschung. Expressionistische Künstler in Villingen

//Lust und Leidenschaft, Schmerz und Enttäuschung. Expressionistische Künstler in Villingen

Lust und Leidenschaft, Schmerz und Enttäuschung. Expressionistische Künstler in Villingen

Ausstellung Villingen-Schwenningen Paul Hirt

Villingen-Schwenningen. Die Ausstellung zu den vier Villinger Künstlern der Moderne – Ludwig Engler, Richard Ackermann, Waldemar Flaig und Paul Hirt – nimmt neben dem künstlerischen Werk die Lebenswelt der Künstler ins Visier: die familiäre Herkunft, Ausbildung und Studium, Frauen, Freunde, Mäzene und Förderer, Anregungen von außen, z.B. künstlerische Vorbilder und Reisen, Broterwerb und Selbstreflexion. Die Ausstellung zeigt viele bisher nie ausgestellte Werke, publiziert neue Quellen und persönliche Einsichten aus Interviews mit Nachgeborenen.

Die vier emotional aufgeladenen Begriffe des Ausstellungstitels beziehen sich einerseits auf die Stilrichtung dieser Künstler. Der Expressionismus versteht sich – direkt übersetzt – als „Ausdrucksmalerei“. Dieser Malstil entfernt sich von der realistischen Darstellung der Umwelt und lädt sie mit Gefühlen auf. Andererseits spiegeln diese Begriffe die Pole eines jeglichen Künstlerlebens wider, das sich zwischen „Lust und Leidenschaft“ und „Schmerz und Enttäuschung“ bewegt. So ist als Auftakt in der Ausstellung ein Gedicht des chinesischen Schriftstellers Du Fu zu sehen, der bereits um 700 n. Chr. diese Zerrissenheit sehr bewegend beschreibt.

Auf die vier Gefühle verteilen sich die beschriebenen Themen wie folgt:

Lust

meint auf jeden Fall die künstlerische Ausdrucksmöglichkeit und die erotischen, familiären und freundschaftlichen Beziehungen, aber auch Reisen in die Ferne und in die Natur.

Leidenschaft

bezieht sich auf das unbedingte Bekenntnis zum Selbstausdruck durch die Kunst, beinhaltet im Fall von Ludwig Engler auch seine politische Betätigung in der Revolution nach dem Ersten Weltkrieg 1918/19. Leidenschaft steckt in der Heimatliebe der Künstler (Landschaft, Brauchtum, Familie).

Schmerz

bringt die Verwicklung in den Ersten Weltkrieg, bei Ackermann in beide Weltkriege, die damit verbundenen körperlichen und seelischen Verwundungen. Schmerz bereitete manche schwierige Beziehung und Krankheiten, welche die Künstler belasteten und am Arbeiten hinderten.

Enttäuschung

war verknüpft mit den Schwierigkeiten des Broterwerbs, mangelndem künstlerischen, gesellschaftlichen und finanziellem Erfolg. Enttäuschend war der Ausgang der Revolution 1918/19, der keine sozialen Umwälzungen brachte. Erstmals hatten hier Künstler und Literaten in der Münchner Räterepublik die Macht übernommen und versuchten, bessere Bedingungen für die arme Bevölkerung, zu der häufig auch die Künstler zählten, zu schaffen.

Die erste öffentliche Führung findet am Sonntag, 30. Juni, um 15 Uhr mit Ulrich Heinzmann statt.

Weitere Infos: https://www.franziskanermuseum.de/ausstellungen/sonderausstellungen/ausstellungen/lust-und-leidenschaft-schmerz-und-enttaeuschung-expressionistische-kuenstler-in-villingen.html

2019-06-26T08:05:35+00:00