Donaueschingen. Das Museum Art.Plus präsentiert im 2-RAUM die Installation „Hyperion“ von Jan Jelinek. Die Filminstallation Hyperion blickt auf Pikionis‘ Pfad-pflasterung, die sich eklektisch aus Versatzstücken antiker Bauten und klassizistischer Wohnhäuser, modernem Beton und vor Ort gefundenem Naturstein zusammensetzt. Die Filme werden von der Komposition gesteuert.

Komposition Hyperion

Kann man Friedrich Hölderlins Hyperion rein algorithmisch interpretieren? Die Komposition Hyperion nähert sich dem gleichnamigen Roman mittels Computerlinguistik, indem sie Hölderlins Text auf Wortwiederholungen mit jeweiligen Kontextwörtern analysiert. Die einzige in sich abgeschlossene unter den mehrmals vorkommenden Wortfolgen ist: „Eines zu sein mit Allem“. Die Komposition konzentriert sich auf dieses Wortpentagramm, interpretiert es als inhaltliches Destillat des Romans und lässt es von einem Online-Sprachprogramm einsprechen. Durch Manipulation und extreme Verzögerung der Abspielgeschwindigkeit verdichten sich die Wortwiederholungen ALLEM, EINS und SEIN zu monumentalen Verhallungsartefakten.

Installation Hyperion

Der Architekt Dimitris Pikionis entwarf von 1954-1958 ein System aus natürlichen Pfaden für die Akropolis und den angrenzenden Philopappos-Hügel. Hölderlins Roman und Pikionis‘ sensible Landschaftsgestaltung eint die Sehnsucht nach einem imaginären Griechentum. Beide glauben im antiken Athen einen Naturzustand zu finden, der den Menschen als Subjekt nicht von der Natur als Objekt trennte. Als Rationalismus-Kritiker suchen sowohl Pikionis als auch Hölderlin nach dieser Einheitserfahrung: Wir sind zerfallen mit der Natur, und was einst, wie man glauben kann, Eins war, widerstreitet sich jetzt … Jenen ewigen Widerstreit zwischen unserem Selbst und der Welt zu endigen, den Frieden alles Friedens, der höher ist, denn alle Vernunft, den wiederzubringen, uns mit der Natur zu vereinigen zu Einem unendlichen Ganzen, das ist das Ziel all unseres Strebens (F. Hölderlin) … was die Natur, scheint mir, uns lehren möchte: Dass nichts für sich allein existiert, sondern dass alles Teil einer übergeordneten Harmonie ist. (D. Pikionis)

Jelineks Arbeiten befassen sich mit der Übersetzung von populären Musikquellen in abstrakte Texturen. Dabei werden keine traditionellen Musikinstrumente eingesetzt, sondern Collagen aus winzigen Klangpartikeln konstruiert.

Technische Assistenz: Karl Kliem