
Tuttlingen. Seit 1993 steht sie als Synonym für erstklassige Kleinkunst: Die „Bühne im Anger“, die Kleinkunstreihe der Tuttlinger Hallen, startet im Oktober in ihre neue, mittlerweile 33. Spielzeit. Zuhause in der Angerhalle im größten Tuttlinger Stadtteil Möhringen, verspricht sie für die anstehende Saison Programmvielfalt und Qualität. Die Macher von den Tuttlinger Hallen wollen „ein Programm für Hirn uns Seele“ bieten. Eingeladen haben sie dafür bekannte Gesichter wie Nikita Miller, Die Kächeles oder „Krähe“-Gewinner Thomas Schreckenberger, aber auch interessante neue Vertreter des Genres, die noch nie in der Angerhalle im badischen Möhringen zu erleben waren. Den Auftakt macht das Comedy-Duo Kächeles, das in diesem Jahr sein 20-jähriges Bühnenjubiläum feiern kann, am 4. Oktober. Den Kleinkunstherbst bereichern außerdem der Niederländer Patrick Nederkoorn, Simon Stäblein und sowie Tim Becker. Karten für alle Veranstaltungen der „Bühne im Anger“ bis zum Jahresende mit Highlights für Kabarett-, Comedy- und Musikfreunde aus der ganzen Region und darüber hinaus sind im vergünstigten Vorverkauf erhältlich. Mit der „BiA-Karte“ (die Abkürzung steht für „Bühne im Anger“) winken erhebliche Preisvorteile.
„Sieben Abende – alle direkt, lebendig, oft überraschend, manchmal frech, aber immer ehrlich“, kündigen Geschäftsführer Michael Baur und Programmgestalter Berthold Honeker an. Für beide gehört Kleinkunst fest ins Programm-Portfolio der Tuttlinger Hallen. Frech, laut, öfter mal musikalisch, gerne auch provokativ, mal nachdenklich, gelegentlich auch mal haarscharf unter der Gürtellinie, aber immer höchst unterhaltsam – so, versprechen beide, wird auch die neue Kleinkunstspielzeit in Tuttlingen-Möhringen. „Einen bunten Querschnitt durch die Kleinkunstszene zu präsentieren und Liveerlebnis mit Haltung und Abwechslung zu bieten, das ist unser Anliegen“, formuliert Baur. „Pralles Kleinkunstleben hilft gegen Miesepetrigkeit, Zukunftsangst und die um sich greifende Tristesse.“ Und Honeker ergänzt: „Futter fürs Hirn und herrlicher Blödsinn oder Berührendes, was der Seele gut tut. Das ist genau die Vielfalt, die sich das Publikum wünscht.“
In der ersten Hälfte der Spielzeit 2025/26 warten einige Hochkaräter aufs Publikum in der Angerhalle, die vielfach ausgezeichnet wurden oder durch regelmäßige TV-Präsenz einem großen Publikum bekannt sind. Da wären etwa Nikita Miller oder Thomas Schreckenberger zu nennen. Lucy van Kuhl ist nicht von ungefähr im Label von Konstantin Wecker unter Vertrag, Puppet Comedian Tim Becker nennen viele in einem Atemzug mit Sascha Grammel und aufs Wiedersehen mit Patrick Nederkoorn dürften sich alle freuen, die im April 2024 bei der Tuttlinger Krähe dabei waren. Mit Simon Stäblein und den Kächeles kommen auch Künstler, die erstmals auf der „Bühne im Anger“ stehen.
Für die Unterstützung der Kleinkunstabende danken die Tuttlinger Hallen ihren Sponsoren, der Kreissparkasse Tuttlingen, der Badenova und Gränzbote/Südfinder. „Sie sind ebenso Garanten fürs Kleinkunstvergnügen in Tuttlingen-Möhringen wie die Künstler oder das engagierte Team des PiA-Cateringteams um Birgit Müller und die Technikmannschaft von Light & Music“, freut sich Michael Baur.
Kleinkunst in Möhringen – dazu gehören neben dem Geschehen auf der Bühne auch der intime Rahmen und das besondere Flair eines Varietétheaters, mit Bistrotischen oder Barhockern, mit Kerzenschein und Bewirtung und vor allem mit ganz viel Nähe zu den Künstlern auf der Bühne. So ist die „Bühne im Anger“ bekannt geworden, und das soll auch mit der neuen Saison mit ihren insgesamt 14 Abenden so bleiben. Denn im neuen Jahr geht es schon ab 10. Januar mit sieben weiteren Abenden bis April 2025 weiter.
Karten für alle Herbst-/Winterveranstaltungen der „Bühne im Anger“ in der Angerhalle Tuttlingen-Möhringen gibt es jetzt im vergünstigten Vorverkauf bei allen bekannten Vorverkaufsstellen des KulturTickets Schwarzwald-Baar-Heuberg in den Landkreisen RW, VS und TUT. Online gibt es Karten unter www.tuttlinger-hallen.de, telefonisch und in der Ticketbox sind Bestellungen – ab 25. August wieder – auch unter der Hotline 07461 / 966 27 300 möglich. Clever sparen lässt sich mit der „BiA-Karte“. Mit den übertragbaren Karten können Kulturfreunde die Kleinkunstveranstaltungen in der Angerhalle mit einem satten Preisvorteil genießen. Die Karten können auch zum Besuch der „Tuttlinger Krähe“ oder der Sonderveranstaltungen mit Nikita Miller und Willy Astor in der Stadthalle Tuttlingen genutzt werden.
Hier das Programm bis zum Jahreswechsel im Überblick (alle Abende beginnen um 20 Uhr, Einlass 19 Uhr):
Samstag, 4. Oktober 2025 KÄCHELES | „Kladderadatsch“
Was alles passieren kann, wenn zwei Schwaben zu einer abenteuerlichen Zugfahrt in den hohen Norden aufbrechen, demonstriert das Kult-Duo in seinem Programm „Kladderadatsch“ auf unnachahmliche Weise.
Bei dieser Reise trifft der unbändige, feminine Drang nach Umtriebigkeit ungebremst auf das elementare Wunschdenken nach schlaffer Bauchlage im Liegestuhl. Schon die quälende Anreise mit Verspätung und technischen Defekten am ICE bringen Käthe und Karl-Eugen zur Verzweiflung. Doch vor Ort warten weitere und noch größere Herausforderungen auf die beiden. Beim Check-in im Hotel merken die zwei Landeier schnell, dass sie weit weg sind von der heimatlichen Komfortzone, denn den heimatlichen Dialekt beherrscht hier keiner! Am vermeintlichen Traumstrand liegen die Urlauber wie Sardinen nebeneinander. An Erholung ist nicht zu denken! Während Käthe alles und jeden kommentiert, will Karl-Eugen nur eines: seine Ruhe! Und abends im Restaurant wird beim Blick in die Karte schnell klar, dass sich der Traum von schwäbischer Hausmannskost in Luft auflöst und die beiden sich wagemutig auf die Empfehlung des Kellners verlassen müssen. Was folgt sind verbale Wortschlachten über vegane Zwiebelrostbraten, Vereinsmitgliedschaften, Klimawandel oder Bikinifiguren.
Die Kächeles begeistern mit trefflich gezeichneten Figuren und umwerfender Situationskomik. Ihre mitten aus dem Leben gegriffenen Dialoge sprühen nur so vor frechen Pointen. Die Kächeles – zwei, die nicht miteinander, aber auf gar keinen Fall ohne einander können.
Samstag, 25. Oktober 2025 SIMON STÄBLEIN | „Ich schmeiß‘ mich weg“
Ob nervige Avocados, schwule Giraffen oder aggressive Kinder – was Stand Up Comedian Simon Stäblein witzig findet, wird in seinem dritten Soloprogramm erzählt. Dafür reichen ihm eine Bühne und ein Mikro. Und Action …
In der Presse wird er gerne als „gemeinster Comedian des Landes“ bezeichnet, er selbst sieht sich eher als „den realistischsten Comedian“. Er erzählt vom eigenen Scheitern, von seinen Marotten und Eigenheiten, aber auch davon, wie er den alltäglichen Ärger und Frust in etwas Unterhaltsames verwandelt. In seiner Comedy geht es um Themen wie unüberbrückbare Differenzen in der Ehe, Sprachbarrieren beim Mediationswochenende und die absolute Verzweiflung auf der eigenen Baustelle. Simon ist einfach ehrlich und scheut sich nicht davor, auch unangenehme Themen anzusprechen und in alle Richtungen auszuteilen. Und am Ende der Show, wenn das Publikum immer noch Tränen lacht, erinnert Simon daran, die Mülltrennung zu beachten, „denn schließlich befindet Ihr Euch immer noch in Deutschland“.
Von 2018 bis 2022 präsentierte Simon Stäblein die NightWash Liveshows aus dem Waschsalon und ist regelmäßig zu Gast bei Formaten wie RTL Topnews, NightWash TV, 1LIVE Comedy-Nacht XXL, 1LIVE Generation Gag, Quatsch Comedy Club und viele mehr! In 46 Staffeln seines Podcasts ,,Inside Comedy“ hatte der Kölner Comedian sie alle zu Gast: schlagfertige Kabarettisten, klassische Stand-up-Comedians, wortgewandte Autoren, humorvolle Influencer und kreative Multitalente.
Donnerstag, 30. Oktober 2025 PATRICK NEDERKOORN | „Die orangene Gefahr“
Der Comedian aus Amsterdam, Zweitplatzierter der Tuttlinger Krähe 2023, erweist sich auf der Bühne als starker Comedian, exzellenter Sänger und geborener Entertainer und erklärt, was passiert, wenn durch den Anstieg des Meeresspiegels 17 Millionen orangefarbene Klimaflüchtlinge mit ihren Wohnwagen auf der linken Spur nach Deutschland rollen. Sind die Deutschen dann bereit, die so geliebten Holländer aufzunehmen?
„Die orangene Gefahr – Die Holländer kommen“ ist das erste deutschsprachige Programm des niederländischen Kabarettisten Patrick Nederkoorn. Premiere feierte es im Frühjahr 2022 im Haus der Springmaus in Bonn, 2023 wurde es mit dem 2. Jurypreis der Tuttlinger Krähe ausgezeichnet, gewann den Obernburger Mühlstein und den Silbernen Reinheimer Satirelöwen und wurde für den Prix Pantheon nominiert. Es ist eine amüsante und bitterböse Auseinandersetzung mit den Eigenarten unserer beiden Nationen und dem Thema Migration im Klimawandel. Die warnende Botschaft über den Klimawandel verpackt er so charmant und unterhaltsam, dass das unbequeme und allgegenwärtige Thema zu keinem Zeitpunkt langweilt, nervt, oder als allzu moralisierende Keule zum Bumerang wird.
“Bestechend ist seine geniale Fähigkeit, die Bühne mit seiner positiv-sympathischen Art sofort einzunehmen und die Herzen im Publikum im Sturm zu erobern. Allein das ist schon große Kunst“, attestierte ihm die Jury der Tuttlinger Krähe.
Samstag, 8. November 2025 TIM BECKER | „Die Puppen, die ich rief“
Tim Becker macht Stand-Up-Comedy mit Puppen. Und seine Soloshow, mit der er seit Jahren Theaterbühnen im gesamten deutschsprachigen Raum, im TV und in Social Media begeistert, ist liebevoll bissig, zielsicher gnadenlos und unvergleichlich lustig!
Tabu- und gnadenlos entwickelt Tim Becker Puppengespräche mit hoher Humordichte, zielsicheren Pointen und wiedererkennbaren Macken aus dem Alltag „ganz“ normaler Menschen. Seine Truppe erzählt Storys, die Tim im realen Leben aufgeschnappt hat, wobei sein Fokus auf den ansteckend komischen und schrulligen Eigenheiten seiner Charaktere liegt.
Zielsicher projiziert er die Eigenschaften, Dialekte oder einfach Merkwürdiges auf seine plüschigen Protagonisten. Sein Humor ist alles andere als brav, manchmal bissig und oft unvergleichlich lustig. Sein Puppenspiel ist so überzeugend, dass die Zuschauer glatt vergessen, nur eine Puppe vor sich haben. Mit virtuosem Handwerk präsentiert Becker seit über 15 Jahren die Kunst des Bauchredens. Dabei ruht er sich nie auf irgendwelchen Lorbeeren aus – es sei denn, sie können sprechen. Einige seiner Puppen sind mittlerweile Stars für sich.
„Das Bauchgefühl, mit dem er seine Kumpane zum Leben erweckt, grenzt an Zauberei“, schwärmt die Frankfurter Neue Presse. Und weiter: „Die Wortgefechte zwischen Bauchredner und Figur sind fein getextete Dialoge mit jeder Menge Comedy, bei denen man gut zuhören muss, damit man keinen Gag verpasst. Manchmal ist gar nicht genug Zeit zum Lachen.“
Samstag, 6. Dezember 2025 LUCY VAN KUHL | „Auf den zweiten Blick“
Lucy van Kuhl verbindet in ihren Liedern am Klavier ihre beiden Steckenpferde Wort und Musik kongenial. Ironisch besingt sie die kleinen Tücken des Alltags und umgarnt ihr Publikum mit herzerwärmend ehrlichen, ruhigen Chansons.
Verliebt auf den zweiten Blick. Begeistert auf den zweiten Blick. Mitfühlend auf den zweiten Blick. Enttäuscht auf den zweiten Blick. Viele Menschen, Momente und Emotionen nehmen wir beim ersten Mal nicht richtig wahr. Lucy van Kuhl besingt in ihrem neuen Programm empathisch die Liebe, das Alter, Menschen, die in unserer Gesellschaft kaum wahrgenommen werden, Menschen, die (leider) viel zu sehr wahrgenommen werden, Situationen, die man sich eingebrockt hat und aus denen man schlecht wieder rauskommt. Und sie stellt sich die Frage „Wann habe ich zum letzten Mal was zum ersten Mal gemacht?“. Überhaupt lohnt sich meist ein zweiter, dritter oder auch sechster Blick auf unsere Lebensroutine. Denn der erste Blick ist der intuitive, der zweite Blick kann der besondere sein …
Vielfach ausgezeichnet (u.a. mit dem ScharfrichterBeil 2019 (Jury- und Publikumspreis), dem Publikumspreis 2021 beim Stuttgarter Besen und dem Schwäbischen Kabarettpreis 2022), sind ihre Programme wie Yoga für die Bauchmuskeln: Anspannung, Entspannung und am Ende stellt sich ein Glücksgefühl ein. Seit Oktober 2018 ist die studierte Germanistin und Pianistin in Konstantin Weckers Label „Sturm & Klang“ unter Vertrag.
Dienstag, 9. Dezember 2025 NIKITA MILLER | „Es war einmal im Nirgendwo“ *
„In der Sowjetunion waren wir die Deutschen, in Deutschland sind wir die Russen“ – diese Worte seiner Großmutter haben sich in Nikita Millers Gedächtnis eingebrannt wie ein sowjetischer Stempel in einen Deportationsbefehl. Seine Oma würde heute noch schwören, dass man mit einem Gläschen Vodka mit Pfeffer alle Probleme lösen kann – vom Schnupfen bis zur Identitätskrise. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht …
Als Nikita in den 90ern vom Gymnasium flog, weil er angeblich „zu russisch“ für Schiller war, ahnte er noch nicht, dass genau diese Zerrissenheit zwischen den Kulturen einmal sein größter Schatz werden würde. Zwischen deutschen Butterbroten und russischen Pierogi, zwischen Realschulhof und den Geschichten seiner nach Kasachstan deportierten Oma, fand er seinen ganz eigenen Weg. Heute, während die Welt wieder einmal Kopf steht, gräbt Miller tief in seiner Familiengeschichte und findet erstaunliche Parallelen zur Gegenwart. Er möchte wissen: Was macht uns eigentlich zu dem, was wir sind? Die Gene unserer Vorfahren? Der Ort, an dem unser Personalausweis ausgestellt wurde? Oder vielleicht doch die Tatsache, dass wir als Einzige in der Klasse wussten, wie man „Dostojewski“ richtig ausspricht?
Mit der Präzision eines deutschen Uhrmachermeisters und der Seele eines russischen Poeten nimmt Miller sein Publikum mit auf eine Reise durch Zeiten und Kulturen. Denn am Ende ist es wie mit einem guten Borschtsch – erst die Mischung macht’s interessant. Und manchmal braucht es eben eine Identitätskrise, um herauszufinden, wer man wirklich ist.
Freitag, 19. Dezember 2025 THOMAS SCHRECKENBERGER | „Irre sind menschlich“
Alles schwierig, alles aussichtslos, keine Perspektive? Nein! Denn das neue Solo-Kabarett-Programm des Krähe-Gewinners von 2017 sagt der Misere den Kampf an.
Oft beschleicht einen schon morgens, beim Lesen der Nachrichten, das Gefühl, man sei der einzig Normale auf der Welt. Dann trifft man den Nachbarn und plötzlich ist man sich sogar ziemlich sicher! Manchmal könnte man angesichts seiner Mitmenschen ja schon verzweifeln: Durchgeknallte Extremisten bedrohen die Demokratie, gierige Profiteure die Umwelt und die Teilnehmer von „Bauer sucht Frau“ den Verstand! Und das Internet wird immer mehr zu einem Ort, wo sich vor allem Menschen herumtreiben, gegen die Hannibal Lecter nur wie ein netter Herr mit etwas zweifelhaften Essensvorlieben erscheint … Da schießen einem viele Fragen durch den Kopf: Ist die Welt ein einziges Irrenhaus? Warum bin ich auch drin? Und was kann ich tun?
Thomas Schreckenberger, ausgezeichnet mit zahlreichen Kleinkunstpreisen (u.a. Kleinkunstpreis Baden-Württemberg, Tuttlinger Krähe), rechnet ab mit all den Irrsinnigen in Politik, Gesellschaft und Alltagsleben. Dabei tauchen natürlich auch immer mal wieder Protagonisten unserer Polit- und Promiszene auf, die Thomas Schreckenberger als gewohnt täuschend echte Parodien auf die Bühne bringt. Beim Kampf gegen die Durchgeknallten der Welt hilft immerhin der Humor – denn wie erkannte einst schon der große Werner Finck: „Lächeln ist die eleganteste Art, den Gegnern die Zähne zu zeigen!“