
Donaueschingen. Es gibt in diesem Herbst zwei Filme im Kino, die sich mit den Folgen rechtsextremer Anschläge befassen und die Frage nach einem strukturellen Rassismus stellen: Die Möllner Briefe stellt 30 Jahre nach den beiden Brandanschlägen von Mölln dar, wie Hunderte von Briefen mit Beileidsbekundungen, Solidaritätsadressen, Zeichnungen von Kindern und Fragen nach Spendenmöglichkeiten nicht an die Familien der Mordopfer weitergeleitet, sondern von der Möllner Stadtverwaltung im Archiv abgelegt wurden. Für Das deutsche Volk hat der Dokumentarfilmer Marcin Wierzchowski nach dem Anschlag in Hanau im Jahr 2020 über vier Jahre hinweg die Hinterbliebenen bei ihrer Trauer um die Ermordeten und in ihrem Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit begleitet.
In der Nacht des 19. Februar 2020 erschoss ein 43-jähriger, psychisch kranker Deutscher aus rassistischen Motiven in Hanau neun junge Erwachsene aus Migrantenfamilien. Danach tötete er seine Mutter und sich selbst. Die Hinterbliebenen kämpfen seitdem um die vollständige Aufklärung der Tat, um die Wiederaufnahme des nach ihrer Ansicht zu früh eingestellten polizeilichen Ermittlungsverfahrens und um ihre Achtung und Wertschätzung anstelle von Nichtbeachtung und Empathielosigkeit.
Aus ihrer Sicht gibt es offene Fragen: Warum war in der einen Bar, wo mehrere Opfer erschossen wurden, der Notausgang verschlossen und damit der Fluchtweg versperrt? Geschah dies auf Anweisung der Polizei? Warum wartete das SEK fünf Stunden vor dem Haus des Täters bis zur Stürmung seiner Wohnung? Sollte dem Täter die Flucht ermöglicht werden? (Später kam heraus, dass unter den SEK-Beamten, die am Täterwohnhaus im Einsatz waren, 13 einer rechtsextremen Chatgruppe angehörten.) Warum organisiert die Stadt Hanau Gedenkveranstaltungen, ohne die Hinterbliebenen zu beteiligen?
Der Film endet mit der Diskussion um den Standort für ein Mahnmal. Die Hinterbliebenen möchten dieses am zentralen Marktplatz errichtet sehen. Der Oberbürgermeister versucht dies zu verhindern. Dieser Platz, sagt er, sei mit seinem Gebrüder-Grimm-Denkmal den beiden Märchenerzählern zugerechnet. Bei den Opferfamilien bleiben Enttäuschung, Verbitterung und Wut.
(Klaus Peter Karger)
Dieser Film wird am 10.09.2025 ebenfalls im guckloch Kino in Villingen gezeigt.